Nichtraucher in 5 Stunden – mein Erfahrungsbericht

 

Vor einigen Tagen habe ich das Seminar Nichtraucher in 5 Stunden besucht und möchte hier über meine Erfahrungen vor Ort berichten. Wie es mir im Anschluss ging und ob ich nun endlich zu einem richtigen Nichtraucher geworden bin.

Wenn du mehr über mich und meine Rauchgewohnheiten erfahren möchtest, um vielleicht zu schauen ob es zwischen uns Ähnlichkeiten gibt, dann lies bitte vorab meinen Anfangsbericht Nichtraucher in 5 Stunden – ob ich es schaffe?

 

Die Organisation im Hotel

Ich fange einfach mal langsam an. Das Seminar fand wie jedes Jahr im Januar hier ganz in der Nähe im Hotel Freizeit In in Göttingen statt. Die ganze Abwicklung dort vor Ort hat mir so gar nicht richtig gefallen. War dies so beabsichtigt? Hat sich hier niemand Gedanken dazu gemacht oder liegt es einfach daran dass ich selbst Hotelfachfrau bin und manches mit anderen Augen sehe? Oder sollte es gezielt so sein?

Veranstaltet wurde das Seminar von Antenne Niedersachsen, bei diesem Radiosender hatte ich zwei Wochen vor dem Termin auch die Teilnahme am Seminar gewonnen. Dafür möchte ich mich nochmals herzlich bedanken, denn sonst wäre ich nie dort hingefahren. Ein Teilnahmeticket kostet immerhin 100,- €.

Ich wurde vorab gebeten schon eine Stunde vor Beginn im Hotel einzutreffen. Es sollte pünktlich gemeinsam begonnen werden und vorab war angedacht dass die KKH (Kaufmännische Krankenkasse) einen Lungenfunktionstest macht. Diesen lehnte ich für mich ab da ich Anfang des Jahres aufgrund einer starken Erkältung erst beim Lungenfacharzt war. Zudem wollte die KKH nach einigen Wochen dann einen zweiten Test durchführen damit man selbst sehen könnte wie sich die Lunge als Nichtraucher erholt. Da ich nicht bei dieser Krankenkasse versichert bin wollte ich dies zusätzlich nicht.

Da ich zu Terminen immer pünktlich erscheine war ich also um 12:50 Uhr bereits vor Ort. Die Lungenfunktionstests wurden vorab allgemein nicht gemacht da der Krankenkasse wohl irgend welche Aufsätze für das Gerät fehlten, somit warteten wir alle bis 14:00 Uhr bis es endlich losging.

 

 

In meinem Infoschreiben stand auch dass das Hotel sich um eine kleine Verpflegung in den Pausen kümmern würde welche zum Selbstkostenpreis erhältlich wäre. Diese Kaffeepausen kenne ich als Hotelfachfrau natürlich nur zu gut. Leider gab es hier nichts. Ich hatte mindestens auf eine Tasse Kaffee gehofft aber auch auf belegte Brötchen oder ähnliches da ich wie alle anderen den ganzen Tag bis abends um 19.00 Uhr im Hotel verbringen sollte. Vor Aufregung am Vormittag nur 2 Scheiben Toast gegessen, um kurz nach 12:00 Uhr losgefahren, knurrte mir gegen 15:30 Uhr so dermaßen der Magen dass mir das Geräusch welches mein Magen von sich gab unangenehm wurde. Somit begab ich mich an die Hotelbar wo eine kleine Tasse Cappuccino für 3,80 € erhältlich war. Wow! Davon gönnte ich mir später einen zweiten mit viel Zucker damit mein Magen wenigstens ein wenig Arbeit hatte.

Ich bin eine Frau: Frauen werden launisch wenn sie Hunger haben. Als ich gegen 20:00 Uhr nach Hause kam prallte diese Laune direkt auf meinen armen Mann der wissen wollte wie es war – ich aber hatte einfach nur Hunger!

 

Im Seminarraum hatte ich nach jeder Pause Hustenanfälle – keine Ahnung warum aber zum Glück hatte ich genug Eukalyptusbonbons dabei. Gegen halb sechs fingen im Nachbarsaal Frauen an lautstark zu singen da dort eine größere Feier stattfand und ich konnte mich auf kein Wort der Seminarleiterin mehr konzentrieren. Hatte ich doch vorher jedes Wort in mich aufgesaugt, Frau Frädrich die Seminarleiterin ist wirklich ein sehr sympathische Frau, prallte nun alles an mir ab. Das Freizeit In besitzt Unmengen an Seminarräumen, das Hotel war an diesem Sonntag gähnend leer, warum wurden diese beiden Veranstaltungen direkt nebeneinander gelegt?

 

Die Seminarleiterin

Da ich wie geschrieben schon sehr früh im Hotel eintraf nutzte ich die Zeit um kurz mit Frau Frädrich zu sprechen. Sie ist eine sehr nette junge Frau. Lustig, mit einem ansteckenden und sehr sympathischen Lächeln. Das kann also nur gut werden dachte ich mir. Bei Frau Frädrich fühlte man sich aufgehoben, denn wie sie erzählte war sie ebenfalls jahrelange Raucherin. Jetzt kommt aber ein großes ABER! Ich habe natürlich im Internet nach Erfahrungsberichten zu diesem Seminar gesucht und bin nur auf einen einzigen gestoßen der von den Machern des Seminars beworben wird. Ansonsten finde ich nichts. In diesem Bericht schreibt ein Herr wie es ihm erging auf dem Seminar. Seltsam, der Seminarleiter bei ihm hat genauso wie Frau Frädrich auf einer Jugendfreizeit im Sommer mit dem Rauchen angefangen? Einfach weil es damals “dazu gehörte und weil es auch ein wenig cool war”? Das kommt mir bekannt vor.

Auf der Homepage von Nichtraucher in 5 Stunden werden die Seminarleiter angezeigt. Es sind sage und schreibe 16 Personen. Mh, haben die alle damals mit 16-17 Jahren auf einer Jugendfreizeit angefangen zu rauchen?

 

Der Aufbau des Seminars

Das Seminar ist in fünf Teile unterteilt. Dazwischen gibt es immer eine 10 min. Raucherpause. In den einzelnen Teilbereichen geht es um die psychologische Seite des Rauchens, natürlich wurde abgefragt wer wie lange und wie viel raucht, wann man raucht. Alle Teilnehmer des Seminars (wir waren ca. 20) fühlen und rauchen größtenteils identisch. Die Gründe sind ähnlich, alle wollen aber auch endlich loskommen von dieser Sucht. Uns wird gesagt, dass wir sehr viele Gründe angeben bei denen wir “eine rauchen müssen”, dass dies aber alles Alltagssituationen sind die auch Nichtraucher durchleben und diese schaffen es diese Situationen zu meistern ohne sich eine Zigarette anzuzünden.

 

Mit jedem Wort welches Frau Frädrich ausspricht fühlt man sich ertappt. Sie betont aber auch immer wieder dass es ihr früher genauso ging und wie wohl sie sich heute fühlt ohne Zigarette. Es ist alles so nachvollziehbar. Man hinterfragt für sich: ist es wirklich so toll draußen vor der Tür bei -2° zu rauchen? Ist das wirklich gesellig?

Frau Frädrich erklärt uns warum die Zigaretten immer teurer werden. Nicht weil die Tabakindustrie immer mehr verdienen will, sondern einfach weil es immer weniger Raucher gibt und der Umsatz gehalten werden muss.

Es geht, veranschaulicht mit Bildern an der Wand, darum wie das Nervengift zum Gehirn gelangt und was es dort bewirkt, es geht um die Werbetricks der Tabakkonzerne. Das die Werbung gezielt die Emotionen anspricht und uns weismachen will dass die beworbene Sorte besonders gut schmeckt. Frau Frädrich schickt uns vor die Tür mit der Aufforderung die nächste Zigarette zu schmecken. Also paffen, den Rauch im Mund behalten und nicht inhalieren. Dort behalten wo die Geschmacksnerven sitzen. Und es ist ekelig. All dies merkt man beim Inhalieren kaum – warum sagt uns die Werbung also dass diese beworbene Sorte besonders gut schmeckt?

Es ist alles so logisch und ich will wirklich aufhören zu rauchen!

Um viertel vor sieben werden wir ein letztes Mal raus geschickt und ich fühle mich anschließend schlecht weil ich hin und her überlegt habe ob ich nun noch eine letzte Zigarette rauche oder nicht. Ich wollte mich “verabschieden” und rauchte – fühlte mich dabei aber schlecht.

Eigentlich fand ich es während des Nachmittags auch ein wenig nervig, alle 45 min. eine Raucherpause zu haben. Ich habe auch nicht jede genutzt, sondern mir wie oben schon beschrieben lieber einen Cappuccino gegönnt.

 

 

Die Seminar Lüge oder das falsche Versprechen

Mit welchen Erwartungen bin ich in das Seminar gegangen? Ich werde ab dem nächsten Tag oder eigentlich: ich werde ab sofort nach dem Seminar nicht mehr rauchen. Vom Radiosender, der jedes Frühjahr eine ganze Reihe von Seminaren in Norddeutschland organisiert wurde mir eine Erfolgsquote von über 90% mitgeteilt. Das ist eine Zahl die mir von Frau Frädrich leider nicht bestätigt wurde. Sie sagte mir dass die Erfolgsquote bei 40-60% liegt und was ich jetzt weiß: mehr darf sie mir auch gar nicht mitteilen. Denn es gibt ein Gerichtsurteil des OLG Köln welches dem Organisator untersagt damit zu werben dass man nach diesen 5 Stunden rauchfrei durchs Leben geht. Zitat:

Nach Meinung des Gerichts ist diese Zusicherung irreführend, wenn die Rückfallquote nach ein bis zwei Jahren nachweislich 30 bis 60 Prozent beträgt.

Davon hat sie mir natürlich nichts gesagt.

 

Das Ende des Seminars, die letzten 15 Minuten

Frau Frädrich hat uns aus dem Seminar mit dem Hinweis entlassen dass nur wir selbst es in der Hand haben aufzuhören. Wir können diese Verantwortung nicht in andere Hände legen wie zum Beispiel bei einer Akupunktur oder Hypnose. Auch bei Pflastern, Kaugummis etc. versucht man mit Hilfe Fremder, die das Produkt hergestellt haben, seine Sucht zu überwinden.

Einzig allein mein eigener Wille aufzuhören kann mir den Weg ebnen. Aber diesen Punkt habe ich ja bislang nicht erreicht, ich hatte Hoffnung dass ich auf diesem Seminar eine “Gehirnwäsche” erhalte, dass mir jemand hilft aufzuhören. Nun wird die ganze Last nach 5 Stunden doch wieder in meine Hände gelegt. Mit dem Spruch “Haben Sie Lust aufzuhören?” und dem Bild an der Wand “Jetzt geht´s los!”

 

Meine Ziele

Ich habe tatsächlich am nächsten Tag auf meine morgendliche Zigarette zum Kaffee verzichtet / verzichten können. Viel zu tief saß noch alles vom Vortag im Kopf verankert. Im Laufe des Tages habe ich dann anstatt einer Schachtel vier Zigaretten geraucht, am nächsten Tag waren es dann schon 8. Danach pendelte sich alles wie gewohnt ein, ich ärgere mich selbst darüber aber so ist es nun mal.

Ich weiß: es liegt in meiner Hand aufzuhören und ich will es auch schaffen. Ich schiebe es mal wieder vom einen auf den nächsten Tag und die Gedanken drehen sich um kaum etwas anderes während ich mir eine Zigarette anzünde.

Ich werde es schaffen – ich weiß nur heute noch nicht wann. Was ich aber weiß ist, dass mir (und hier betone ich extra das Wort mir!) das Seminar leider nichts gebracht hat, außer dass ich den ganzen Tag Schuldgefühle habe versagt zu haben.

Liebe Grüße

2 thoughts to “Nichtraucher in 5 Stunden – mein Erfahrungsbericht”

  1. Sehr ausführlich geschildert, danke! Ich habe es mir im übrigen auch so vorgestellt als du von den Gewinn geschrieben hast. Schade, aber vielleicht schaffen wir es auch mal so. Ich würde auch gerne aufhören!
    LG Nobby

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